Richard konnte und wollte seine Beftemdung nicht ber-gen. Er äußerte mit etwas bitterm Lächeln, daß wohlder Herr Gesandte die Triebfeder dieser unerwarteten Bot-schaft seyn möchte.
„Ja, ich läugne das nicht;" antwortete Albert. „Wirbefinden uns in einer kleinen Stadt, wo alles bemerkt,alles bestichelt, alles übel gedeutet wird. So gcht's auchmit diesem Tuche. Fräulein Roggenburg lebt und schwebtdamit auf allen Zungen und bekommt nicht eher Ruhe,bis sie sich davon losgcmacht hat."
,jAber, mein Herr," sagte Richard, „warum betreibenSic die Sache so dringend?
„Ich bin Elisens Freund;" crwicdcrte Albert. „Sonsthabe ich keinen Bcwegungsgrund."
Bei dem Worte Freund verwandelte sich RichardsGesicht. „Ich appellire," sprach er, „an des FräuleinsHerrn Vater, der das unbedeutende Geschenk gefällig an-nahm und es mir jetzt nicht wieder aufdringcn wird."
Kurz, er bat, ihn mit dieser harten Zumuthung zu ver-schonen.
„So gibt es," sagte Albert, „keinen andern Ausweg,als den, daß wir das Tuch öffentlich versteigern lassenund das daraus gelöste Geld den Armen geben."
„Dieser Einfall entsprang aus einem jungen Feuerkopfe!"rief Richard. „Aber der Ehre des Fräuleins wäre durchsolche Oeffentlichkeit übel gerathcn; denn nun erst würdedie Stadt ein endloses Gerede darüber erheben. Nein,das kann ich, aus inniger Achtung gegen das Fräulein,nicht billigen."
Sie machen sich unnöthige Sorgen!" sagte Albert.„Uebcrlassen Sic cs Elisens älterem Freunde, für die Er-haltung ihres guten Rufes zu wachen."