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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
82
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Unglück geschehen, die Männer erklärten laut, daß einesolche Selbsterniedrigung unerhört scp, und alle baten undflehten, die heilige Rangordnung nicht so grausam zu zer-stören, sondern höher hinaus zu rücken. Aber die Mißver-gnügten wichen so wenig als Felsen von ihrer Stelle.Wir sitzen hier gut!" sagte die Bürgermeisterin:Undwo Wir fitzen, da ist überall der erste Platz."

Richard verhielt sich still, als ob er an der Sache ganzunschuldig scp, und cs ihm, dem fremden Gaste, nicht ge-zieme, sich in diese Irrung zu mischen. Indessen benutztedie schlaue Doctorin Salm den Wirrwarr, und nistetesich an der noch unbesetzten Seite des Indiers ein. Obsie außer dem Hauptzweck, die gekränkte Rangfeindin nochmehr zu kränken, auch die Nebenabsicht hatte, dem schönenMohren, der hinter seinem Herrn stand, nahe zu scpn,das weiß man nicht genau, ungeachtet es ihr die Meistenso übel auslegten und sich spöttisch mit den Augen zu-winktcn.

Des Stadtsecrctairs geschmeidige Thätigkeit und ein der-bes Wort des Senators Trottel, dem vor dem Erkaltender Suppe bange war, stillten endlich den Aufruhr, undbrachten es dahin, daß die Gesellschaft ruhig Platz nahm.Aber die beleidigten Matronen blieben starr und fest beidem Vorschncider sitzen. Auch die klebrigen, je vornehmersie waren oder sich dünktcn, desto mehr strebten sie nachden Unterstellen des Tisches: denn, wie sich eine gewisseBlume stets nach der Sonne kehrt, so wandten sie sichzur Sonne der Stadt, der Frau Bürgermeisterin, undglaubten das auch ihrer eigenen Ehre schuldig zu scpn,weil die hochgcbictcnde Dame den Ausspruch gethan hatte,daß ihre Niederlassung jeden Platz zum ersten erhebe.