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Der Poet eignete sich dieses Complimcnt durch eine fluch-tige Verbeugung zu, und sagte mit selbstgefälligem Lächeln:„Ja, einiger Geschmack wird mir sogar von unfern Böo-tiern zugestandcn. — Ich bin ihnen oft ein Leitstern, wosie ohne mich im Finstern tappen würden. Hiervon willich nur einen lustigen Beweis anführen. Wir haben hiereine Leihbibliothek, die, wie alle Magazine dieser Art,Spreu und Körner durch einander enthält. Die meistenLeser sind, aus Mangel gelehrter Kenntnisse, in Verlegen-heit, eine kluge Wahl zu treffen: sie greifen daher begierigund blindlings nach den Büchern, von welchen sie wissen,daß Ich sie gelesen habe. Das ist recht löblich; aber dieArt und Weise, wie sie das erfahren, ist drollig. Ich habenämlich die Gewohnheit, mir die Leihbüchcr, die ich lesenwill, durch meinen Pudel holen zu lassen. Er ist so ab-gcrichtet, daß er sogleich, wenn ich ihm ein Zcttelchen un-ter das Halsband stecke, seinen Weg nach der Bibliotheknimmt. Der Bücherverlciher gibt ihm das verlangte Buchin den Mund, und er bringt's mir im Fluge. So drü-cken seine Zähne allen Büchern, die durch meine Hand ge-hen, einen Stempel auf und crtheilen ihnen ein empfehlen-des Ehrenzeichen. Jeder Lescknnde sieht scharf darnach,ob das Buch, dessen Titel ihn anlockt, zwischen den Zäh-nen meines Nero gewesen ist oder nicht. Findet er diegesuchten Merkmale, so steckt er mit vollem Vertrauen, et-was Gutes zu lesen, das Buch in die Tasche. AndereBücher hingegen, die mein Nero nicht gestempelt hat, willniemand. Der Verleiher sieht natürlicher Weise dergleichenVerwerfungen nicht gern, und handelt daher bisweilen wieein falscher Münzer, indem er einem oder dem andernBuche, das er in Umlauf bringen will, Vertiefungen ein-gräbt, die ganz so aussehen, als hätte sie mein Pudelgemacht."