Druckschrift 
3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

Zehntes Kapitel.

Streitigkeiten und ein sntyrischeS Gedicht.

Bald nachher fanden sich mehrere Personen ein, die derUnternehmer des Balles zusammengetrommelt hatte. Dievorzüglichsten derselben waren ein Arzt und der schon einmalerwähnte Advokat Striegel, den die ganze Stadt hinter sei-nem RückenHerr Unmaßgeblich" nannte, weil er sichdieses Wort angewöhnt hatte und cs oft am unschicklichstenOrte in seine Reden einmischte. Er schrieb niemandenMaß und Ziel vor, und am wenigsten sich selbst bei seinenSportelrechnungen, die zwar von dem Magistrat aus ge-vatterlicher Freundschaft unmaßgeblich gebilligt, desto maß-geblicher aber von den Urtheilsverfafsern und höhern Ge-richten auf das Drittel herabgesetzt wurden, wenn sie daSUnglück hatten, zur Einsicht dieser gestrengen Herren zukommen.

Der Arzt war ein noch sehr junger Mann, der erst an-sing, den Tod zu bekämpfen, aber bis jetzt noch bei denmeisten Gefechten den Kürzern gezogen hatte. Er warübrigens ein lustiger Gesell, und hatte ein recht feinesLiebchen, das ihn begleitete. Auch der Herr Sachwalter,der unmaßgeblich entschlossen war, nächstens in den Ehe-stand zu treten, brachte seine Braut mit. Sie hatte schonseit geraumer Zeit abgeblühet, und sah so Inster aus wie