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Daß ein solcher Greis nichts mit der Liebe zu thunhatte, versteht fich von selbst. Er würdigte die artigstenMädchen, die ihm begegneten, keines Blicks; und sah erein junges Frauenzimmer, das nach seinen Gedanken zufrei gekleidet war, so schüttelte er auf öffentlicher Straßemurrend den Kopf. Einige seiner muthwilligen Bekann-ten machten sich bisweilen den unnützen Spaß, unter er-dichteten Franen-Namcn Liebesbriefe an ihn zu schreiben,oder in Gesellschaften lustige Mädchen gegen ihn aufzu-wiegeln: er blieb aber bei allen dergleichen Versuchungenso standhaft wie die alten Heiligen in den Legenden, undwehrte sich, wenn sie persönlich geschahen, mit heftigenStrafpredigten, die ungemein ergötzlich zu hören waren.
So abhold dem Frauengeschlcchte lebte er, als praktici-render Rechtsgelchrter, bis in sein fünfzigstes Jahr, undsetzte sein Bestreben, einen abgelebten Greis vorzustellen,immer eifriger fort. Er schleppte sich am Ende so mattund kraftlos herum, daß man mit seiner Altersschwächewahres Mitlciden hatte, und ihm einen sanften und seli-gen Tod wünschte.
Aber auf Einmal ging, zum Erstaunen der ihn umge-benden Welt, eine wunderbare Verwandlung mit ihm vor.Er ließ sich, indem man schon von seinem bevorstehendenBegräbnisse sprach, plötzlich den Doctorhut aufsetzen, ver-jüngte sich wie ein Phönix, warf die Perücke weg, kräu-selte sich einen modernen Tituskopf, und trug neumodischeKleider, wie man sie nur von ausgemachten Fantasten tra-gen sah. Dabei lief er mit leichten flüchtigen Schrittenüber die Straße, und sprach so muthig und keck wie einbartloses Fäntchen. Bald darauf erschien er öffentlich Armin Arm mit einer jungen, schönen, aber im Punkt der