tel. Als man aber den Fuß aus dem Hause setzen wollte,erhob sich an der Thür ein freundschaftlicher Rangstreit.Der Stadtrichter, ein umständlicher Complimentarius, for-derte den Bürgermeister auf, den seinem Range gebühren-den Vortritt zu nehmen. Ueber diese Zumuthung entsetztesich der Bürgermeister und sagte: „Ei bewahre! es wäregegen alle Ordnung und Sitte, aus meinem eigenen Hausezuerst zu gehen. Ich werde mir einen solchen Verstoß ge-gen die Regeln der Höflichkeit um keinen Preis zu Schul-den kommen lassen." — „Der 6onsul re^ens," crwicderteHerr Schncppe, „ist überall der Erste! Die ganze Stadtwürde mich einen unverständigen und übcrmüthigen Man»schelten, wenn ich unscrm verehrten Oberhaupte verträte."— „Ich will es aber so!" sprach Herr Felden: „und alsregierender Bürgermeister" — setzte er scherzend hinzu —„verlange ich unbedingten Gehorsam." — „Allen Respekt!"sagte der Stadtrichtcr mit einer tiefen Verbeugung. „Da-wider läßt sich nichts weiter einwendcn; und mein Schirmund Schild gegen den Tadel des Publikums ist die Ehre,die ich habe, der Frau Bürgermeisterin unterthäniger Füh-rer zu sepn." —
Mit stolzen Hahucuschritten durchbrach er nun die Volks-menge, die sich vor dem Hause gesammelt hatte, um denParadezug der hohen Herrschaften zu sehen. Einige em-pfindsame Zuschauer wurden durch jenen Wettstreit derHöflichkeit und Großmuth bis zu Thränen gerührt.
Der Bürgermeister hätte nun billiger Weise auch mitden beiden Rathsherrcn complimcntiren sollen: es wäreaber daraus die Unschicklichkeit entstanden, daß die FrauSenatorin Trottel, die er am Arme führte, ihren beidenTöchtern hätte Nachtreten müssen. Dieß weislich erwägend,folgte er dem Stadtrichter auf dem Fuße nach, doch un-