Fünftes Kapitel
Ein feierlicher Aufzug.
Die Frau Bürgermeisterin, deren Geiz stadtkundig war,hörte kaum aus dem Munde ihres Gemahls, daß sie beidezu Gaste geladen waren, so klatschte sic frohlockend in dieHände und sagte: „Das ist schön, liebes Männchen! Nunfasten wir diesen Mittag, damit wir auf den Abend destomehr essen können."
Hiermit lief sie, ohne seine Einwilligung abzuwarten, indie Küche, hob den Fleischkessel (der aus Furcht vor derNaschhaftigkeit des Dienstmädchens mit einem Vorlegeschlösseversehen war) vom Dreifuß ab und goß das Feuer aus.
Herr Felden hörte das Zischen der kämpfenden Elementeund schüttelte mißmüthig den Kopf: denn cs hungerte ihn.Er regierte die ganze Stadt, war aber in seinem Hauseein so zahmer Sclav, daß er es nicht wagte, sich ein But-terschnittchen auszubittcn. Zum Glück übersandte ihm einBäcker, der an diesem Tage die Semmeln schändlich kleingebacken hatte und deßhalb Klagen besorgte, für einigeGroschen Waare von gesetzmäßiger Größe, um nöthigcnFalles einen geneigten Richter zu haben. Diese Bestechunggeschah unter vier Augen, indem sich die Frau Bürger-meisterin eben in der Küche befand. Da sie also die an-kommenden Semmeln nicht sogleich zählen konnte, so machte