Zweites Kapitel.
Der Magistrat in neuer Angst.
Indem der Bürgermeister diesen Hoffnungsstrahl in dieleere Kämmerei-Kasse fallen ließ, schrie der Rathsdiener,der indessen den Gasthof beobachtete, aus Leibeskräften:„Sie kommen! fie kommen!"
Der Magistrat sprang an die Fenster und sah mit gro-ßen Augen, daß sich eben ein wunderbarer Aufzug ausdem Gasthofe heraus bewegte und seine Richtung nachdem Rathhause nahm. Voran ging ein Mohr mit gezo-genem Säbel; ihm folgte ein hochgewachsencr, stattlicherMann, in reicher asiatischer Kleidung; diesem traten einPaar von Silber strotzende Bedienten auf der Ferse nach,und zwei andere Mohren schloßen mit entblößten Schwer-tern den Zug, der mit feierlichen Schritten über das Gäß-lcin herüber kam und ins Rathhaus hinein ging.
„Himmel! was soll das geben?" rief der dicke Sena-tor und ward leichenblaß. Er riß, um sich zu verbergen,einen Schrank auf, worin abgepfändetc Sachen aufbcwahrtwurden; aber sein Riesenkörper fand kein Unterkommendarin. Fluchend fuhr er nun unter den großen, mit einertuchenen Schürze umhangenen Confercnztisch, und rief durchein ansehnliches Mottenlvch: man solle die Thür verschlie-