Druckschrift 
8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

-o-D 326 O-o-

Papier, und nach einer Stunde überreichte er dem Grafeneinen Aufsatz, wovon wir hier nur einen kurzen Auszuggeben wollen.

Eine Hauptquelle der abnehmenden Beröikerung"schrieb erist die immer mehr um sich grei-fende Ehelosigkeit. Das sahen schon vor altenZeiten die Lacedämonier ein, und die Hagestolzenhatten daher bei ihnen einen harten Stand. Jähr-lich, an einem bestimmte» Tage, wurden sie öffent-lich wie Opfcrthiere um einen Altar geführt undvon Weibern und Jungfrauen mit Ohrfeigen ge-züchtigct. Diese Sitte sollte man jetzt in der Weltwieder einführen, um die Bevölkerung zu vermeh-ren ; denn jede Mannsperson würde heirathcn, umnicht die Strafe der Hagestolzen zu dulden."

Ein guter Gedanke!" sprach der Graf.Wir wollenso ein Hagestol;engcricht öffentlich hegen."

Wann befehlen Ew. Erlaucht?" fragte der Landrath.Sobald als möglich, lieber Schlangenkron!"

Sehr wohl, gnädiger Herr! Die Anstalten erfordernjedoch einige Zeit; denn Ew. Erlaucht geruhen doch wohl,diese Feierlichkeit durch eine Proclamation in den Zeitun-gen vorher bekannt machen zu lassen?"

Ei, das versteht sich, mein guter Landrath! Ich willvor ganz Deutschland den Ruhm haben, daß ich das ersteregierende Haupt bin, das auf eine so genialische Art dieBevölkerung seiner Staaten befördert."

Schlangenkron hatte gewonnenes Spiel. Das Hage-stolzengericht war auf den ehrlosen Kammcrhcrrn gemünzt,der sich außer den schon angeführten Ursachen diese Rachedadurch zuzog, daß er einst dem Grafen einige skandalöse