235
dem Gespräche, von dem sich die eifersüchtige Julia durchdie Unverständlichkeit ausgeschlossen fand, zupfte sie an derBedientcnklingel aus Verdruß; denn Mädchen machen schonum acht Jahre früher Gefallansprüche als Knaben. Klotildeverbot dieses Geläute durch ein zu spätes Interdikt; dieKleine, erfreuet, daß sie das hercilendc Kammermädchen inBewegung gesetzt, suchte wieder an der Quaste zu zupfen.Klotilde sagte auf französisch zum Doktor: „Man darf ihr„nichts zu monarchisch befehlen; fetzt ruht sie nicht, bis ich„mein äußerstes Mittel versuche."— „Julia!" sagte sie nocheinmal mit einem weiten von Liebe übergvssenen Auge; aberumsonst. „Nun sterb' ich!" sagte sie schon dahinsterbend, undlehnte das schöne, von einem scheidenden Genius bewohnteHaupt an den Stuhl zurück, und schloß die frommen Augenzu, die nur in einem Himmel wieder aufzugehen verdienten.— Indem Viktor bewegt und stumm vor der stillen Schein-todten stand, und bei sich dachte: „wenn sie nun nicht mehr„erwachte und du die starre Hand vergeblich rissest, und ihr„letztes Wort auf dieser öden Erde gewesen wäre: „Nun„sterb' ich" — o Gott, gab' eS dann ein anderes Mittel für„die Trostlosigkeit ihres Freundes, als ein Schwert und die„letzte Wunde? Und ich faßte mit der kalten Hand ihre„Hand, und sagte: ich gehe mit dir!" — indem er so dachte,und indem die Kleine weinend die sinkende Rechte zog: sowurde das Angesicht wirklich bleicher, und die Linke gleitete
vom Schvoß herab-hier wurde fenes Schwert mit
der Schärfe über sein Herz gezogen — — Aber baldschlug sie wieder die irren Augen auf, todeöschlaftrunkensich besinnend und schämend. Sie beschönigte die flüchtigeOhnmacht durch die Bemerkung: „ich habe es wie fener