liebten, eines Geliebten, wovor wir weinen, wornach wirsuchen, worauf wir hoffen, ach und so vergeblich, so vergeb-lich? — Steht nicht der Mensch vor der Brust eines Men-schen, wie die Turteltaube vor dem Spiegel, und girret wiediese sich heiser vor einem todten flachen Bilde darin, daser für die Schwester seiner klagenden Seele hält? — Warumfragt uns denn jeder schöne Frühlingabcnd, jedes schmelzendeLied, jede übcrströmende Freude: wo hast du die geliebteSeele, der du deine Wonne sagst und gibst? Warum gibtdie Musik dem bestürmten Herzen statt der Ruhe nur grö-ßere Wellen, wie das Geläute der Glocken die Ungcwitter,anstatt zu entfernen, herunterzieht? Und warum ruft eSdraußen an einem schönen stillen Hellen Tage, wenn du überdas ganze aufgeschlagne Gemälde einer Landschaft flehest,über die Blumen-Meere, die auf ihr zittern, über die herab-geworfnen Wolkenschatten, die von einem Hügel zum andernfliehen, und über die Berge, die sich wie Ufer und Mauernum unfern Blumenzirkel ziehen, warum ruft es da dennunaufhörlich in dir: „ach, hinter den rauchenden Bergen,„hinter den aufliegenden Wolken, da wohnt ein schöneres„Land, da wohnt die Seele, die du suchst, da liegt der Him-„mel näher an der Erde?" — Aber hinter dem Gebirgeund hinter dem Gewölle stöhnt auch ein verkanntes Herz,und schauet an deinen Horizont herüber, und denkt: „ach, in„jener Ferne wär' ich wvl glücklicher!"
Sind wir denn alle nicht glücklich?-Bejah' eS nicht
und sage nicht zu mir, Emanuel, daß im Winter dieses Le-bens gerade die wenigen warmen Sonnenblicke, die ihnunterbrechen, den bessern Menschen wie Gewächse zerspren-gen und zu Grunde richten — sage nicht, daß jedes Jahr