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„Küsse, eh die Augen und Lippen im Grabe erfrieren —„Ihr seid glücklicher als ich, der ich das Herz voll Liebe„niemand geben kann als den Würmern dcS Grabes, und„auf dessen Sarg ein Tischler die Ueberschrift, die wie ich„mit Erde bedeckt wird, färben soll: ihr guten Menschen,„ihr habt mich nicht geliebt und ich war euch doch so gut!" —
Jedes glückliche Lächeln, jeder flötende Violinenzug,jeder Gedanke wurde jetzt seinem von Thränen umgebenenweichen Herzen zur harten spitzen Ecke, so wie einer Hand,die sich in Wasser untertaucht, alles hart anzufühlen wird.
Seine gränzcnlosc Aufrichtigkeit, seine gränzcnlose Er-weichung könnt' er mit nichts befriedigen, als mit einemBriefe an seinen Emanucl, in welchen er seine ganze Seeleübcrströmcn ließ.
„O theurer Geliebter!
Sollt' ich denn Dir's verbergen, wenn mich Schmerzenübcrmannen oder Thorheiten? Sollt' ich Dir nur meinebereucten Fehler zeigen und nie meine gegenwärtigen? —Nein, tritt her, Theurer, an meine wunde Brust, ich öffneDir das Herz darin, eS blute und poche unter der Ent-blößung, wie es will — Du deckest cS doch vielleicht mitDeiner väterlichen Liebe wieder zu, und sagst: ich lieb' esnoch. —
Du, mein Emanuel, ruhest in Deiner hohen Einsam-keit, auf dem Ararat der erretteten Seele, auf dem Thaborder glänzenden: da blickest Du sanft geblendet in die Sonneder Gottheit, und stehest ruhig die Wolke des Todes aufdie Sonne zuschwimmen — sie verhüllt sie, Du erblindestunter der Wolke, sie verrinnt, und Du stehst wieder vor