fremde Person vorstellig der der Rock gehörte und die ihnam Morgen so freudig auSzog und jetzo so trostlos anlcgtc:so ergriff ein Mitleiden, das er mit sich selber hatte, wiedermit zu starkem Druck sein erschöpftes Herz. Marie kam,und er wendete nicht einmal die Zeichen dieses Mitleids vonihr weg. Sie stand betroffen — er sagte ihr mit der sanf-testen aus Seufzern gewebten Stimme, er brauche nichts —und die gute Seele ging ohne Muth zum Trösten und zuThränen langsam hinaus, aber die ganze Nacht vergoß sieunsichtbare über die fremden, und über einen Kummer, derihr nicht gesagt war.
Warum öffnete gerade heute das Schicksal alle Adernseines Herzens? Warum ließ es gerade auf diesen Tag dieSilberhochzeit des Stadtscniors und die erste Hochzeit seinerTochter mit dem Waiscnhauspredigcr treffen? Warum,wenn doch beide Hochzeitseste auf diesen Tag zusammcnfallensollten, mußten sie bis nach Mitternacht sortwährcn, wo sicden armen Viktor in alle Brandstätten seiner Hoffnungenschauen ließen, wo er in einer lichtcrvollcn Stube aus seinerdunkeln die Liebe sah, welche Hände verknüpfte, Lippen zu-sammendrückte und Augen und Seelen vermischte? — Zueiner andern Zeit würd' er über den Waiscnhauspredigerund über zwei Armenkatecheten gelächclt haben; aber heutekönnt' er nur darüber seufzen, und cs ist eine sanfte Schön-heitlinie an seinem innern Menschen, daß er den armenMenschen das vergönnte, was er entbehrte: „ach ihr seid„glücklich, sagte er — o liebt euch recht, presset die klopfen-den vergänglichen Herzen heiß an einander, eh' sic der„Flügel der Zeit zerschlägt, und glühet an einander in der„kurzen Minute des Lebens, und wechselt eure Thränen und