79
„Stralcn glänzen"*) und er würde sich deshalb auf die„Wiener Skizzen" auf „Faustin", auf „Blumauer" und ausden „Wiener Musenalmanach" berufen. Den Tadel würdeselber ein Wiener nützlichst annehmcn, und unö fragen, obwir einen Musenalmanach (wie er) mit einem Zoten-Boden-satz aufzuwcisen haben, worauf man setzen könnte: „mit Ap-probazion deö Bordells." — Dieses Gefühl des literarischenUnterschiedes nöthigte sogar einen Nikolai — sonst kein be-sonderer Amoroso der Wiener Schriftsteller — in seiner All-gem. deutschen Bibliothek eine eigne Scitenloge für dieseeinzubanen, ob er gleich sonst Schreiber aller andern Deutsch-kreise in Ein Parterre zusammenwirft. Auf ähnliche Artsah ich in Baiern, daß an dem Galgen, außer dem gewöhn-lichen Balken für die drei christlichen Konfcssionvcrwandten,noch ein besonderer schiSmatischer Querpfosten angebracht war,an welchen bloö die Judcnschaft geheftet wurde.
Der Flachscnsinger weiß, daß an Poeten nichts ist, undspringt in Büchern, wo Versebächc durch die Prose laufen,über die Bäche hinweg, wie gewisse Leute spät in die Kirchegehen, um dem Singen zu entweichen. Er ist ein treuerDiener des Staats, dem bekannt ist, wozu die poetische goldneAder beim Revision-, Kommission-, Relazion-, Enrollirung-wescn zu gebrauchen ist, zu gar nichts; inzwischen will erdoch, wenn er auch einen Klopstock und Göthe nicht schätzenkann, in müßigen Stunden einen guten Knittelvers und Le-
*) So sprach blos die erste Auflage 1797 von Wienern; einedritte verbesserte erkennt auch 1819 eine verbesserte vonihnen an, ob sic gleich die Schatten ihrer Vorzeit lebendigaufbcwahrt.