Wangen und sein ganzer Körper, der unter den Zitronen-drückcrn der Nachtfcste gewesen war, bewiesen, daß er nichtlog, da er sagte, der fürstliche Bräutigam sehe noch achtmalelender aus und liege darnieder am Podagra. Er setzte inseiner bittern Weise, die Viktor wenig liebte, hinzu: die blei-chen Großen haben überhaupt kein Blut, das wenige aus-genommen, was sie den Untcrthanen abschröpfen oder waSihnen an den Händen klebt, wie die Insekten kein rothesBlut bei sich führen, als das den andern Thicrcn abgcsogne.Dieses erinnerte Viktor an seine medizinischen Pflichten ge-gen den Fürsten. Entweder Matzens verwüstete Gestalt —denn unmoralisches Nachtleben macht Züge und Farbe nochwiderlicher als das längste Krankenlager — oder die Erin-nerung an des Lords Warnungen, oder beides machte ihnunserem Hofmcdikus eben so verhaßt, als dieser wieder jenemdurch das Hofphysikat geworden war; dieses verhehlte GiftMatthäi aber offenbarte sich nicht durch kleinere, sonderndurch größere, fast ironische Höflichkeit. Hingegen Matzund Flamin schienen vertraulicher als je zusammen zu seyn.
Vormittags nach dem Rasiren sprang, ohne sich nocheinmal zu überwaschen, Viktor auf und packte sogleich denStiefelknecht ein, und riß die Hangriemen der Kleider ent-zwei, und bestellte Meßhelfer, damit sie seinen Lebens-Ballast— auSschifften (wegen seiner elenden Packerei) und dann ein-schifftcn. Denn er überließ die ganze Kuratel des Gerüm-pels unserer kleinlichen LcbenSgeräthschaften immer fremdenHänden, und das mit einer solchen Verachtung dieses Ge-rümpels und mit einer solchen sorglosen Verschwendung —ich werde zwar meinen Helden nie verläumdcn; aber es istdoch durch den Spitz erwiesen, daß er nie das Kurrentgeld