Druckschrift 
4 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : zweites Heftlein
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

mußte. Zu dieser Eröffnung fehlte, was in Paris das Teu-erste ist, der Platz; das Erordium auch. Klotilde war nir-gends allein zu treffen. Kenner sagen, jedes Geheimniß, daßman einer Schönen sage, sei ein Heftpflaster, das mit ihrzusammcnleime und das oft ein zweites Geheimniß gebäre:sollte Viktor ctwan darum Klotildcn seine Kenntnisse von ih-rer Geschwistcrschaft so begierig zu zeigen getrachtet haben?

Er blieb einen Tag um den andern, da ohnehin dieButtcrwoche der Vermählung erst vvrübergchen mußte.Er hatte schon Vermählmünzcn in der Tasche. Aber er sahKlotilde immer nur in Sekunden; und eine halbe Sekundebraucht man nach Bonnet zu einer klaren Idee, nach Hookegar eine ganze: eh' er also eine ganze Vorstellung von dieser stil-len Göttin zusammengebracht hatte, war sie schon fortgclauscn.

Endlich wurden ernsthaftere Anstalten gemacht nicht zurAbreise, sondern zum Vorsatz derselben. . . Die schönstenMinuten in einem Besuche sind die, die sein Ende wiederverschieben; die allcrschönsten, wenn man schon den Stockoder den Fächer in der Hand hat, und doch nicht geht. SolcheMinuten umgaben unfern FabiuS der Liebe setzt; sanftereAugen sagten ihm:eile nicht," wärmere Hände zogen ihnzurück, und die mütterliche Thränc fragte ihn:willst du mirmeinen Flamin schon morgen rauben?"

Ganz und gar nicht!" antwortet' er, und blieb sitzen.Ich frage, steckte nicht seinetwegen die Kaplänin ihrZungen-Richtschwert in die Scheide, weil er nichts so haßte als lauteund stille Verläumdungen eines Geschlechts, das unglücklicherals das männliche sich von zwei Geschlechtern zugleich gc-mißhandelt erblickt? Denn er nahm oft Mädchen bei derHand und sagte:die weiblichen Fehler, besonders böse Nach-