-»§> 216
Meine Braut auf der gemeinsamen Streu! — Es warmir eine gräßliche Vorstellung! Ich fühlte dabei die ersteleise Regung der Eifersucht, und griff mit beiden Händennach dem angebotencn Kämmerchen. Das zweimännischeBett trieb zwar mir und meiner Reisegefährtin eine glü-hende Röthe ins Gesicht; wir mußten aber aus der Rotheine Tugend machen, und wir waren beide tugendhaft ge-nug, daß wir uns Zutrauen konnten, das Abenteuer mitunverletzter Sittlichkeit zu bestehen.
Der Wirth geleitete uns die Treppe hinauf und öffnetedas kleine Gemach. Das erste, was mir in demselben insAuge fiel, war ein großes, an der Wand hängendesSchlachtschwcrt. Ich bebte davor zurück. „Fürchten Siesich nicht vor diesem Sarraß!" sagte der Wirth/ „Er ge-hört einem Offizier, der bei mir einkchrtc, dann eine Land-und Jagdreise machte und erst nach acht Tagen wiederhier cintrifft." Das gesagt, ließ er uns allein.
Meine Braut warf einen schüchternen Blick nach dembreiten Bette; ich aber nahm mir vor, unsere Verlegen-heit wegzuschcrzcn. „Dieses Schwert," hob ich an, „ließuns ein guter Geist hier finden. Wir wollen es brauchen,wie mancher ehrenfeste Ritter der Vorzeit das seinige,wenn ihn unabänderliche Umstände zwangen, mit der Dameseines Herzens ein Lager zu theilcn. Er legte dann seinentblößtes Schwert zwischen sich und sie, und das hattedie Kraft, als wäre» sie durch eine Fclscnmaucr geschieden."
Mit diesen Worten hob ich den Degen von der Wandund wollte vom Leder ziehen: doch mein Arm war zukurz; ich mußte meine Freundin zu Hülfe rufen. Ich legtehierauf das nackte Schwert in die Mitte des Bettes undsprach feierlich: „Sch du der Schutzengel und Zeuge un-serer Tugend!" —