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liches Werk von dm Pflichten, noch seine berühmten Re-den waren jetzt eine erquickende Nahrung für meine Seele.
Ich verwies also den Herrn Consul in den Bücherschrank,und wählte dafür den leichtfertigen Liebcsdichter Ovid,der mir in meiner damaligen Gcmüthsstimmung ein höchst /angenehmer Gesellschafter war.
Er und der Briefwechsel mit meiner Braut beschäftigtenmich in allen Stunden, die ich nicht im Schulstaube zu-bringen mußte. Die landesherrlichen Posteinkünste wur-den durch mich ansehnlich vermehrt. Der Strom meinerEmpfindungen ließ sich nicht in das enge Bett eines ge-wöhnlichen Briefchens einzwängen; unaufhaltsam ergoß ersich über zwei bis drei Foliobogen: die strenge Brieswageverurthcilte mich daher zu drei- und vierfachem Postgelde.Meine Braut faßte sich kürzer, und das diente zu meinemHeil: denn da mich jedes ihrer Worte in eine solche Ent-zückung versetzte, daß ich wie ein Rasender zwischen mei-nen vier Wänden herumsprang, so wäre ich unfehlbargleich an ihrem ersten Briefe gestorben, wenn ich michdrei oder vier Bogen hindurch in einer so angreifendenGeistesspannung befunden hätte.
Auf die Gefahr, von manchen Eismenschen ausgelachtzu werden, will ich noch eine andere kleine Schwärmereigestehen. Ich ersuchte meine Braut, ihre Briefe nicht mitSiegellack, sondern mit Oblaten zu siegeln. Warumthat ich wohl das? — Rathet einmal, ihr Verliebten! —Doch wahrscheinlich sind nicht alle meine Leser verliebt,und wer A sagt, muß auch B sagen: also bekenne ichöffentlich, daß ich mir darum Oblaten ausbat, weil siebei dem Gebrauch von den Lippen meiner Auserwähltenberührt wurden. Ich küßte das heilige Siegel auf, undcs däuchte mir, ich gcuöße Ambrosia.
Langbem'S sämmt!. Sehr. IX. Bd.
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