248
„mich nicht, mein Theurer, warum alles so ist: in gewissen„Jahren thut man die alte Brust nicht mehr auf, so voll„sie auch sei."
Ach du dauerst mich! Denn die Wunden, die ausgc-deckt werden können, sind nicht tief; der Schmerz, den einmenschenfreundliches Auge finden, eine weiche Hand lindernkann, ist nur klein. — Aber der Gram, den der Freundnicht sehen darf, weil er ihn nicht nehmen kann, dieserGram, der zuweilen ins beglückte Auge in Gestalt einesplötzlichen Tropfens aussteigt, den das weggewandte Ange-sicht vertilgt, hängt überdeckt schwerer und schwerer am Her-zen, und zieht cs endlich los und fällt mit ihm unter dieheilende Erde hinab: so werden die Eisenkugcln an den überdem Meer gestorbnen Menschen angeknüpft und sie sinkenmit ihm schneller in sein großes Grab.-
Er fuhr fort: „ich werde dir etwas sagen; aber schwöre„hier auf dieser theucrn Asche, zu schweigen. Es betrifft„deinen Flamin, und diesem mußt du cs verhehlen." Dasfiel dem von einer Welle aus die andre gestürzten Viktorauf. Er erinnerte sich, daß ihm Flamin das Versprechenauf der Warte abgedrungcn, daß sie mit einander, wenn siesich zu sehr beleidigt hätten, sterben wollten. Er stand mitdem Schwur an — endlich sagt' er: „aber kurz vor meinem„Tode darf ich's ihm sagen?" — Kannst du ihn wissen?sagte sein Vater. — „Aber im Fall?" — Dann! sagte jenerkalt. —
Viktor schwur, und zitterte vor dem künftigen Inhaltdes Eides.
Auch mußt' er versprechen, vor der Wiederkehr desLords diese dunkle Insel nicht zu besuchen.