Sinne und Sitten entgehen wollen. Die Wissenschaftensind mehr als die Tugend ihr eigner Lohn, und jene machender Glückseligkeit thcilhaftig, diese nur würdig; und die Preis-medaillen, Pensionen und positiven Belohnungen und derJnvcnziondank, die viele Gelehrte für ihr Studircn habenwollen, gehören höchstens den literarischen dienenden Brü-dern, die sich dabei abmartern, aber nicht den Meistern vomStuhle, die sich dabei entzücken. Ein Gelehrter hat keinelange Weile; — nur ein Thron-Jnsaß lasset sich gegen dieseNcrvenschwindsucht hundert Hof-Feste verschreiben, Gcsell-schaftkavalierc, ganze Länder und Mcnschcnblut.
Du lieber Himmel! ein Leser, der in Viktors Sabbat-wochen eine Leiter genommen hätte und an sein Fenster ge-stiegen wäre: hätte der etwas anders darin erblickt, als einjubelndes Ding, das aus den wissenschaftlichen Feldern wieunter seligen Inseln umherglitt? — Ein Ding, das entzücktnicht wußte, sollt' es denken, oder dichten, oder lesen, be-sonders was? oder wen? aus dem ganzen vor ihm stehen-den hohen Adel der Bücher. — In dieser Brautkammerdes Geistes (das sind unsere Studirstubcn), in diesem Kon-zertsaal der schönsten aus allen Zeiten und Plätzen versam-melten Stimmen hinderten ihn die ästhetischen und philoso-phischen Lustbarkeiten fast an ihrer Wahl; das Lesen riß ihnins Schreiben, das Schreiben ins Lesen, das Nachdenken indie Empfindung, diese in jenes. —
Ich könnte in dieser Schilderung vergnügter fortfahrcn,wenn ich'ö vorher hätte geschrieben gehabt, wie er studirte:daß er nämlich nie schrieb, ohne sich über dieselbe Sachevoll gelesen zu haben, und umgekehrt, daß er nie las, ohnesich vorher darüber hungrig gedacht zu haben. Man sollte,