Prachtgcsctzc den Fürsten selber noch nöthi'ger wären, wenig-stens den höchsten Ständen, als den tiefsten — daß Romseinen vielen Feiertagen viel von seiner Vaterlandlicbe ver-danke. . . . Flamin hatte für die kleine Perlenschrist derhäuslichen Freude, für Aufgußblümchen deS Vergnügens keineAugen; dafür hielt seine Seele mit einem Brutus gleichenSchritt, wenn er groß ans Bild des Pompesus trat, undmit einem Seufzer über das Schicksal die Parzcnscheere indas größte Herz der Erde trieb, das seinen Werth mit sei-nem Recht verwechselte. Viktor hatte ein geräumiges Herzfür die unähnlichsten Gefühle.
Ich kann es nicht oft genug wiederholen, daß heute derKirchgang ist. Ich will ihn der Nachwelt abzeichncn, abernicht mit jener Kürze, womit ein Zeitungschreiber den Lcichen-zug eines Königs auf drei Bogen bringt, sondern ein wenigumständlicher. Zu den pomphaften Anfangbuchstabcn diesesTages hatte das Pfarrhaus ganz andre Gründe >» petto,als man meines Wissens unserem Zeitalter noch zu entdeckenbeliebte: betrügen wollten drei Theilnehmer einander, alle-mal zwei einen.
Betrügen wollte erstlich die Pfarrfrau den Helden, dernicht wußte, daß heute der Gebnrttag seines Vaters war,und daß dieser — sreimüthig von ihr eingeladen — heuteauf fünf Minuten lang komme. Sie ließ am Morgen ihrezwei Töchter Garn sieden, damit sie dem Viktor — nichtsbeichteten, wenigstens keine Wahrheit; denn cs ist ein be-kannter Aberglaube, daß das Garn am weisesten gesottenwerde, wenn man dabei recht lügt. Daher sollte man auch,wenn die Weiber lügen, behutsamer seyn, und fragen, obsie mit ihren poetischen Täuschungen etwas anderes weiß