96
überlegen, zum Stehen bringen, damit der Leichenzug derbewaffneten Tage hinten halten müßte, die deinen Schooßentlauben können — dein Lusthölzchen lichten — dein Lammstechen — deiner Regina Dicnstgcld zur Magd geben!
Aber im Oktober fährt alles nach Unterschccrau; unddie Kinder wissen noch nicht einmal, daß es Lippen undKüsse gibt!
O Wochen der vorcrstcn Liebe! warum verachten wireuch mehr als unsre später» Narrheiten? Ach an allen euerenstcbcn Tagen, die an euch wie sieben Minuten auöschen, wa-ren wir unschuldig, uneigennützig und voll Liebe. Ihr schö-nen Wochen! ihr seid Schmetterlinge, die aus einem unbe-kannten Jahre*) herüber lebten, um unserem Lebens-Früh-lingc vorzuslattcru! Ich wollte, ich dächte von euch noch soenthusiastisch wie sonst, von euch, wo weder Genuß noch Hoff-nung an Gränzen stockten! — Du armer Mensch, wenn derzarte weiße, die ganze Natur überzaubcrnde Nebel deinerKindcrsahrc herunter ist: so bleibst du doch nicht langein deinem Sonnenlichte, sondern der gefallene Nebel kriechtwieder als dichtere Gewitterwolke unten rings am Blauenheraus und am Jünglings-Mittage stehest du unter denBlitzen und Schlägen deiner Leidenschaften! — Und Abendsregnet dein zerschlitzter Himmel noch fort! —
*) Die Schmetterlinge im Frühling haben sich (durch das Zö-libat) aus dem vorigen Jahre hcrgcfristet; die im Herbstsind Kinder des gegenwärtigen Jahres.