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hielt ihm der Postmcrkur ein »»befreites und mißgestaltetesBricflei», mit Trudchcns wohlbekannten Krähenfüßen be-malt und mit einem Kupferpfcnnig versiegelt, unter dieNase. Thomas Kellcrwnrm erbleichte und fuhr geschwindin die Tasche, ob er gleich wußte, daß kein Heller darinwohnte. „Wart'Er einen Augenblick!" sprach er und eiltein seine Stube. Hastig erbrach er hier das Pfcnnigsicgcl,immer noch in der Hoffnung, unter dessen Obhut einWcchsclchcn, ans Sicht zahlbar, zu finden. Aber, leider!sah er sich getäuscht und bekam darüber einen Anfall vonStarrsncht, die ihm sogar die dringende Postschuld in Ver-gessenheit brachte.
Nach fünf Minuten klopfte der ungeduldige Gläubigeran die Thür, öffnete sie zugleich und bat um Abfertigung.„Ach, lieber Freund!" stotterte der Referendar: „ich binjetzt keines Groschens mächtig. Hier in meinem Schrcibc-pult liegen zwar drei- bis vierhundert Thalcr, aber ichbemerke mit Verdruß, daß ich den Schlüssel verloren habe,und muß also bis morgen um Kredit bitten." — „VielEhre für mich!" sagte der höfliche Briefbotc nud zog, miteinem flüchtigen Blick aus das reichhaltige Pult, scharr-füßclnd ab.
Thomas nahm nun den cmpfaugcncn Brief wieder vorund fing ernstlich an, die räthsclhasteu Schnörkel zu ent-ziffern : denn Trudchen briet zwar eine treffliche Gans,aber des Gänsekiels kunstmäßigc Führung war nicht ihreSache; und in der Falschschrcibung hatte sic eS so weitgebracht, daß ihre Episteln eine Art von Geheimschriftwaren, die nur ihre vertrautesten Korrespondenten verstan-den. Da nun nickt zu vcrmuthcu ist, daß die Mehrzahlder Leser zu diesen Auserwähltcu gehöre, so war es hierbeim Abdruck gedachten Briefes durchaus nothwendig, der