Aber cs gab andere Leute, die sich früher auf den Weggemacht hatten. Zwischen drei nnd vier Uhr kam Frauvon Wüsthof mit einem keuchenden Postzuge mehr geflo-gen als gefahren und hielt vor dem Gasthofe.
Mit dieser eilfertigen Reise hatte es folgende Be-wandtniß:
Herr von Wüsthof sollte, nach dem uns bereits kun-digen Befehle seiner Hausfürstin, des Abends vorher vonseiner Fahrt zurückkommcn. Sie erwartete ihn schon inder neunten Stunde, und ärgerte sich bis um zehn Uhr-ganz mäßig über sein Ausbleiben. Nun aber stieg ihrGrimm mit jedem Vicrtclschlage der Thurmglocke, undgegen Mitternacht ward sie so wüthend, daß sie den un-gehorsamen Uebcrtreter ihres Gebotes mit den Händenhätte zerreißen mögen. Ihre männlichen und weiblichenBedienten durften nicht zu Bett gehen nnd wurden alleAugenblicke herbeigeklingclt. „Hört Ihr noch keinen Wa-gen kommen?" schrie sie ihnen entgegen, und wenn sieder Wahrheit gemäß Nein sagten, brannten die unzartenFinger ihrer Gebieterin ihnen rechts und links ein Feuer-mahl auf die Backen.
„Gnädige Frau," sprach ein Bedienter, indem er seinenKopf eiligst in Sicherheit brachte — „cs fällt mir ebenein, daß der Bauer Jochim heute früh nachKaniuchenberggegangen ist. Sollte der nicht vielleicht von dem gnädi-gen Herrn, der dort durchreiset, etwas gehört oder ge-sehen haben?" —
„Geht, Esel, und fragt ihn!" rief die zornige Stroh-wittwe.
Der Bediente rannte fort und erkundigte sich bei Jochim,der eben erst heim gekommen war, nach dem Obersten.
„Je, den Hab' ich in Kaninchcnberg gesehen!" sagte der