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Er kräuselte sein Haar zu einem Tituskopf, baute sich bis-weilen sogar einen modischen Hahnenkamm auf die Schei-tel, jagte beständig, doch immer fruchtlos, nach Witz, trugGottes Wort aus der Kanzel in poetischer Prosa vor, gabseine Liebeserklärung in einem Sonnet von sich und warbei allen diesen Bestrebungen, als ein Genie zu glänzen,ein — Pinsel. Mamsell Cyrillus crtheilte ihm den Be-scheid: sic habe gegen seine wcrthe Person nichts cinzu-wcnden, doch, mit seinem Charakter noch zu wenig be-kannt, muffe sie um Erlaubniß bitten, sich von dem wirk-lichen Daseyn der vortrefflichen Gcmüthseigenschaften, diesie bei ihm vermuthc, durch Anwendung der Organenlchrezu überzeugen. Meister Täubling, der sich für einen ganzvollkommenen Menschen hielt, bot seinen lockigen Kopf sehrbereitwillig dar. Gall's Schülerin befingerte ihn säuberlich,zog sich aber bald mit einer verlegenen Miene zurück.
„O Zenith der Anmuth, o Chimborasso der Schönheit!"rief der Magister: „Was sprechen diese Korallcnlippcn, dieich jede Nacht im Traum küsse, für ein Urthcil?" —„Daß es bei den geträumten Küssen sein Bewendenhat!" fiel Klaudine lachend ein.
„Mein Himmel! wie denn so?" fragte der erschrockeneSchöngeist, und machte ein Jammergcsicht, als blieb' er ineiner Predigt stecken.
„Sie besitzen viel edle Organe, Herr Magister!" fuhrKlaudine fort: „Aber, leider! säete die Natur ein wenigUnkraut unter den Weizen, und gab Ihnen auch das Or-gan der — Raufsucht." —
„Unmöglich!" rief Täubling: „Ich bin der sanstmüthigsteMensch unter der Sonne, ein leibhafter ewiger Friede; dasmuß der Neid sagen! Auf Schulen und Universitäten wardi ch zwar mitunter gerauft, aber ich raufte nie wieder, son-