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8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
206
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Der gute «rohn

In einer großen Stadt, wo mancher Taugenichts schwelgteund praßte, kämpfte die tugendhafte Wittwc eines armenGelehrten mit Mangel und Noth. Ihr frühzeitig verstor-bener Gatte hinterließ ihr nichts, als einen zehnjährigenKnaben, der ein vortreffliches Herz, einen lebhaften Geistund die angenehmste Gestalt besaß. Seine muntern Ein-fälle belustigten Jedermann, und allgemein bewunderte mansein schönes, langes, blondes Haar, das in der ganzenStadt seines Gleichen nicht hatte. Julius bildete sich aufdiesen Vorzug etwas ein; denn die Eitelkeit beherrscht je-des Alter, und ein kleiner, bescheidener Stolz auf Schön-heit wandelt selbst die Unschuld an.

Seine Mutter arbeitete täglich vom Morgen bis in dieNacht an künstlicher Stickerei, ward aber sehr kärglich da-für bezahlt, und erwarb nicht so viel, als sie zum noth-dürftigcn Auskommen brauchte. Dadurch verfiel sic in einedrückende Schuld. Ihr Hauswirth, ein reicher Bierbrauer,der einige Thaler Micthzins bei ihr zu fordern hatte, ließsie Tag für Tag darum mahnen. Er befahl seinen Leu-ten, die er zu ihr schickte, recht stürmisch und unhöflich zusehn, und die rohen Menschen machten sich ein Vergnügen