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8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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Geldkastcn, der an seinem alten Orte stand und mit mäch-tigen Vorlegeschlössen! behängen war. Die Schlüssel dazulagen unter dem Hauptkissen des Entschlafenen. Alle zwölfHände der Erben griffen zugleich darnach. Sie stürztendann auf den Kasten und schoben und stießen einander aufdie Seite; denn jeder und jede wollte das liebe herrlicheGold, das schlechterdings darin sepn mußte, zuerst sehen.Bei diesem Gedränge machte die Ocffnung des Deckelsviel Mühe, und sie ward leider nicht belohnt. Der ver-wünschte Kasten enthielt nichts, in der Welt nichts, alseinen halben Bogen Papier, ans welchen Dippold mit eige-ner Hand folgende Worte geschrieben hatte:

Ihr werdet euch wundern, meine Kinder, statt Silberund Gold dieses kahle Blatt zu finden; aber ihr selbst habtmich, der in seinem Leben Niemanden hinterging, zu die-ser Täuschung gezwungen. Ich gab euch mein ganzesVermögen, mit der Bedingung, mich bis an mein Endezu verpflegen; allein ihr verfuhrt übel mit mir und ließetmich manchen Tag hungrig zu Bett gehen. Was sollteich thun? Mit euch zanken oder um Brosamen betteln ?Beides widerstand mir. Dennoch wollte ich nicht ganzverhungern. Ich nahm daher meine Zuflucht zu einer Listund bat meinen Freund Bohling, mir auf einige Stun-den sein Silbergeschirr und zweitausend Louisd'or zu lei-hen, und überdieß hundert Thaler zu schenken. Er thates, und ich bestritt mit der letzter» Summe die Kosten je-nes Gastmahls, das ich blos darum anstcllte, um mir vorenern Augen den Schein eines noch reichen Mannes zugeben und euch dadurch mehr Achtung gegen mich einzu-flvßen. Ich erreichte diesen Zweck. Habt Dank für diefreundliche Wartung und Pflege, die ich seitdem von euch