-»L 130
aberst ich denke, Sie haben sich für die siebzig oder achtzigThälerchcn, die ich in Ihrem Bcntcl fand, genug divertirt,und ich bitte mich nun das Kindkcn wieder aus."
Es zuckte mir in den Armen, gegen das schamlose Weibmein Hausrccht zu gebrauchen. Ich unterdrückte aber dieseAnwandlung und antwortete gelassen: Das Fräulein istin guten Händen.
„In guten Händen bei Ihnen?" kreischte sie mit einemHohngclächter. Ei, seht doch, wer sind Sie denn? —Ein kahler Mosjeh, wie ich eben erst unten im Hause er-fuhr. Wenn ich das vor sechs Monaten wußte, so hättenSic meine Nichte gewiß mit keinen» Finger anrühren sol-len. Aberst ich glaubte, Sie wären ein Kavalier."
Ich ging lachend an die Thür, machte sie angelweit aufund sagte: Frau Thvrschreibcrin, hier ist Ihr Weg!
Ich erwartete jetzt, daß sie inir wie eine Katze nach denAugen springen würde; aber mein entschlossener Ton brachteeine ganz entgegengesetzte Wirkung hervor. „Verstehen Siedoch Spaß!" sagte sie mit gemäßigter Stimme: „Die Frö-len wäre bei Sie in guten Händen; aberst meine Hände— sind leer. Sie wissen doch, daß ich eine arme, ver-lassene Wittfrau bin und daß mich Linchcn's Blumenhan-del... ."
Fassen Sie sich! fiel ich dem weinenden Krokodill insWort. An Erneuerung dieses Handels ist nicht zu denken.Ich will Sie aber noch einmal mit einer kleinen Summeunterstützen; doch unter der ausdrücklichen Bedingung, daßSie nach dem Fräulein nicht weiter fragen.
„Topp!" sagte sie, und ihre Thränen versiegten. Ichzählte ihr zehn Louisd'or auf den Tisch; denn eine feinereArt, zu geben, war bei ihr nicht angewandt. Ihre Augenblitzten vor Freude. Sie strich das Gold begierig ein und