-»§> 237
„Wclche seltsame Bedingung!" sprach sie für sich. „EinenPopanz soll ich liebe» ? Einen Popanz, den ich nicht ein-mal kenne und den ich vielleicht in der halben Welt auf-suchen müßte? Nein, zu einer solchen Erniedrigung istZesire zu schön!" Sic betrachtete sich jetzt wohlgefällig inder Spiegelwand des Zimmers und fuhr in ihrem Selbst-gespräche fort: „Ich denke, mit oder ohne Erlaubniß desungenannten Poeten, geschwinder zum Ziele zu kommen,wenn ich den schönen Schläfer aufwecke. Er müßte blindseyn, wenn er mir nicht sogleich in die Arme fiele!" —
Sic ging hierauf in den Saal zurück und erregte durchUmwcrfung eines Stuhls ein lautes Gepolter. Dannhorchte sie ein Weilchen, ob sich der Schlummernde rühre;doch sic vernahm keinen Laut. Ein zweiter Stuhl wardumgestürzt. Im Schlafzimmer blieb es aber still, wievorher. Nun entschloß sic sich, ihre jungfräuliche Beschei-denheit ein wenig bei Seite zu setzen und den Sieben-schläfer aufzurüttcln.
Indessen hatte sich vor die Thür seines Kabincts eingoldenes Netz gezogen, das dem zartesten Spinngewebeglich. Zesire sähe durch dasselbe den Prinzen immer nochfest schlafen: als sie cs aber wegschieben wollte, vermochtesic es nicht. Sie ward ungeduldig und brauchte Gewalt.Allein der undurchdringliche Schleier wich nicht von derStelle; und zugleich erhob sich im Saal, ein heulenderWind, der sic ergriff und von der Thür hinweg zur Treppeführte.
Sic ahncte bald, daß dieser Sturm von einer unbe-kannten Macht abgeschickt sep, um sie über die Gräuze zubringen. Daher wagte sie nicht, dem unsichtbaren Poli-zcidicncr Widerstand zu leisten, sondern begab sich treppanans den Rückweg. Alle Lampen, die ihr hinabgelcuchtct