Druckschrift 
9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen
 

»D 230

Die Höflinge waren dort, wie überall, die Affen ih-res Gebieters. Unter der Last ihrer steifen Stiefeln undeisernen Sporen dröhnten die Säle der königlichen Burg.Selbst die galantesten Kammcrjunkcr trugen statt scidncrHütchen fürchterliche Peitschen unter dem Arm. Ihre Ge-spräche waren so wild, als ihr Anzug. Sie unterhieltensich nicht, wie andere witzige Hofleutc, von Schauspielen,Bällen, Liebschaften und andern hochwichtigen Dingen,sondern schwatzten vom Morgen bis zum Abend über dieTugenden oder Untugenden ihrer Gäule.

Höfe sind sonst gewöhnlich der Himmel des schönenGeschlechts. Nur dieser Hof war cs nicht; denn es gabhier weder Schmeicheleien noch Lustbarkeiten. Die armeKönigin und ihre zwei schönen Töchter waren zu bedauern.Von der tödlichsten Langeweile gequält, fingen sic Gril-len in ihren vergoldeten Zimmern und ärgerten sich überdas ewige Roßtummcln, womit sich der König nebst sei-nen lieben Getreuen unter ihren Augen beschäftigte.

Auf ihr dringendes Anhalten ward endlich doch einmalzur Faschingszeit ein Hofball veranstaltet. Sie verlorenaber schon ziemlich die Lust zum Tanze, als die Kavaliersnicht in seidenen Strümpfen und Lorduanschuhen, sondernin ihrer täglichen schweren Beinrüstung einhertraten. Al-lein noch mehr erstaunten sie über de» König, der zwarauch gestiefelt erschien, jedoch mit freundlicher Miene be-kannt machte, daß er mit einem Tanze von seiner eigenenErfindung den Ball eröffnen wolle. Dieses Tänzchen, dasin der Folge weit und breit bekannt geworden ist, werdenMeister und Jünger der edlen Tanzkunst leicht errathen.Wie können sie einen Augenblick zweifeln, ob der aller-durchlauchtigste Pfcrdcbändiger ein anderes, als die nunuralte, sogenannte Galopade erfunden habe? Sic war cs