Druckschrift 
9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

-oA 179 ^o-

Hiernuf erklinunt er einen Baum,

Durchspäht vom höchste» Ast ein WeilchenSchier einen meileuweiten Raum,

Und steht noch immer nicht sei» vielgeliebtes Gäulchen.Vor Schrecke» überläuft ihn eine Gänsehaut.

»Ich bin betrogen !" rief er laut.

»Verdammter Paradiesgeselle,

2 ritt'st du doch hinab zur Hölle!"

Unter mehrern Verwünschungen war er von dem Baumewieder hcruntergerutscht, hatte sich ermüdet ins Gras ge-worfen und hielt folgendes Selbstgespräch:Ja, wennman auch fünfzig Jahre klug gewesen ist, so kommt dochendlich eine dumme Minute! O Caspar, Caspar, du ver-folgst einen Schelm und lassest dich selbst von ihm prellen!Das ist, mit Ehren zu melden, ein kleiner Eselsstrcich!Meiner Frau, der ich ihren Gänseverstand immer vorwerfe,darf ich nicht einmal gestehen, wie ich um den Rappengekommen bin, sonst lacht sie ins Fäustchen und meineKlugheit verliert allen Respekt bei ihr. Hum! Wasdreh' ich denn der einfältigen Elsbeth gleich für eineNase?"

Er sann eine Minute nach; dann sprang er empor undrief:Das geht!" und eilte heim.

Frau Elsbeth stand an der Hauslhür. Er ging freund-lich auf sie zu und sagte:Dießmal muß ich dich um Ver-zeihung bitten. Du hast deine Geschenke für den seligenMartin keiner ungetreuen Hand anvertraut. Das ehrlicheMännchen, das sich damit belästigt, ist wirklich im Para-dies zu Hause und hat mir seinen richtigen, vom heiligenPetrus unterschriebenen Reisepaß gezeigt."

O nun fällt mir wieder ein Stein vom Herzen!" er-