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Emilia Galotti war ihre erste Nolle, für deren vortreff-liche Darstellung sic mit nngctheiitcm Beifall belohnt wurde.Eben so glücklich zeigte sic sich in der Folge als Minnavon Barnhelm, Miß Sara Sampson und Elfride. DasPublikum verschwendete hier kein unverdientes Lob, son-dern war blos gerecht gegen Mariancns Talent und un-ermüdetcn Kunstfleiß. Sie drang tief in den Sinn ihrerRollen ein, faßte sie nicht nur mit dem Gedächtnis', son-dern mit Geist und Herz, und entfernte sich dadurch ganzvon dem gewöhnlichen Schlendrian des handwerksmäßigenSchauspielers, der die scinigen, blos de» Worten undBuchstaben nach, auswendig lernt, wie ein Schulkunde diePsalmen. Dennoch fehlte ihr auch nie eine Sylbe, so daßsie de» Einbläser (auf dessen Nothhülfe leider auch man-cher gute Schauspieler zu sehr rechnet) ganz entbehrenkonnte.
Nicht minder sorgfältig war sie in der Wahl ihrerThcatcrkleidung. Enclkeit und Gefallsucht, die oft andereSchauspielerinnen, wen» sic Laudmädchen vorstellcn sollen,wie Gräfinnen ankleidcn, waren weit von ihrem Putztischcverwiesen. Ihr Gewand war immer der Natur ihrer Nollegemäß.
Ueberdicß vermied sie während des Spiels jede Zer-streuung. Sie blickte so wenig nach den Zuschauern, alssep zwischen ihr und ihnen eine Scheidewand gezogen.Selbst in den Zwischcnscenen, worin sie nicht austrat,dachte sie sich in ihrem Charakter fort, und blieb sich da-her immer gleich. Viele ihrer Mitspieler hingegen triebenindessen hinter der Bühne Posse» und Unfug, und man