lange mit starrem Blick und offenem Munde zngcsehn, undendlich seinen Nachbar hastig gefragt: „Wo in aller Welthaben die Lente den Bauer her?" — Diese einfältige, ganzans dem Herzen entsprungene Frage — setzte der guteEthos hinzu — Hab' ihn mehr als die zierlichsten Lobsprüchcanmaßlich gelehrter Kunstkenner gefreut; denn das ehrlicheBäuerlein scp hier ein eben so befugter Richter gewesen,als jener Meister Schuster, der den großen Maler ApcllcSwegen eines fehlerhaft gezeichneten Schuhes getadelt habe.
„Und so ist es auch in der That. Man muß daher mitfestem Schritt, ohne sich durch Krittler und Kläffer irrenzu lassen, den Weg der Kunst ruhig fortwandcln."
Nur Schade, daß Sie sogar von Ihren eigenen Kunst-verwandten in diesen Fortschritte» aufgchaltcn werden. EineSchauspielcrgcscllschaft ist ein wunderbarer Körper, desseneinzelne Glieder gewöhnlich unter einander in ewiger Fehdesind, und dennoch ein zusanimenstiinmendcs Ganzes aus-machcn sollen. Rollen- und BcifallSncid erzeugt endloseKabalen, die den sauftniüthigstcn Menschen oft so in Miß-laune sehen, daß er sich vergebens bemüht, seine» Verdrußvor den Augen der Zuschauer zu verbergen. Der so oftnothwcndige Zwang, gegen sein Gefühl zu reden und zuhandeln, ist für jeden Schauspieler, der nicht zum Heuch-ler geboren ward, die peinlichste Folter der Seele. Wieist cs möglich, mit einer Person, die man wegen ihrerZanksucht, Sittenlosigkeit oder anderer Untugenden verab-scheut, eine Scene der Freundschaft oder der Liebe wahrund innig zu spielen? — Wie ist es möglich, mit natür-licher Heiterkeit zu scherzen und zu lachen, indem man imHerzen mit Sorgen und Gram kämpft? — Wie kann manohne Seufzer mit Ncichthum und Uebcrflnß ans der BühnePrahlen, wenn man zu Hause den bittersten Mangel leidet?