Druckschrift 
7 (1847) Neue Talismane. Vacuna. Der graue König : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
498
Einzelbild herunterladen
 

wörtlich zu nehmen, und auf meinem Körper die Stellezu suchen, wo ich das benöthigte Streifchcn am füglich-sten entbehren könnte. Bitt' um Verzeihung, gnädigsterHerr, so ist das Ding nicht gemeint! Doch ich falle,wie ich merke, Euerm kurzweiligen Rath ins Handwerk.Das will ich nicht. Was ich euch jetzt sagen werde, istmein voller Ernst. Ich bin nämlich im Besitz eines köst-lichen, von einem alten, weisen Meister zubereiteten Wun-derbalsams , durch den man sich so fest und unverwundbarmachen kann, als wäre man über und über mit einemfiebenfachen Panzer von Stahl und Eisen bekleidet."

Der leichtgläubige Graue sprang vor Freude hoch auf.Er dachte schon nicht mehr daran, daß ihn Schalkwitz mitder Todtenerscheinung betrogen hatte, und bat freundlichund dringend, ihn zu balsamiren, und bei Anlegung derLöwenhaut sein Kammerdiener zu sepn.

Sie ward auf sein Geheiß gebracht,

Und mancher Versuch damit gemacht,

Dach wollte sie durchaus nicht passen.

Wo sollte man die Ohren lasse» ?

Sie drängten sich immer wie ein ThorMit seinem schalen GewiHel vor.

Der Kammerdiener fand endlich ein Mittel, die Rebel-len zu zähmen. Er band sic nieder an den Kopf undschnürte den armseligen Schweif, der sich auch neben derstattlichen Löwenblume schlecht ansnahm, auf den Rückenhinauf. Das häßliche Fußwerk ließ sich aber weder ändernnoch verbergen, und es war lächerlich anzusehen, wie beijedem Schritte die Löwenklauen daran hcrumschlotterten.

Der angebliche Wunderbalsam war nichts als ein Ge-misch von Straßenstaub und Wasser. Das ahnte freilichHerr Simpel nicht, und empfing die Salbung, die Schalk-