Siebentes Kapitel
Verschiedene lehrreiche Gespräche über schöne und häßlicheGeister, nebst der schauerlichen Geschichte einer gräßlichenMordthat, die ein handfester Kunstlichter an einem armenDichterlinge verübte.
Reineke nahm an den Hoflustbarkeiten wenig Theil.Er schüttelte vielmehr über den Jubel des Volks mißfälligden Kopf und hielt sich meistens zu den edlen Thieren,die der neuen Negierung abgeneigt waren. Er selbstdachte ganz anders. Da er aber durch das Fernrohr sei-ner Klugheit voraus sah, daß der Thron des Esels baldwieder umkippen werde, so gab er sich gegen die Anhän-ger der Löwenfamilie das Ansehen, als ob er gleiche Ge-sinnungen hege. Um ihnen noch mehr Staub in die An-gen zu streuen und sich besonders dem Prinzen Kühnher;zu empfehlen, beschloß er, sein Kanzleramt nicderzulcgen-In dieser Absicht ließ er sich am nächsten Morgen nachden Hofgelagcn bei dem grauen Könige melden, und kitzelteAnfangs seine Ohren mit Schmeicheleien. »Heil meinemVaterlande!" rief er aus: „Seine goldne Zeit ist gekom-men! — Unter Eurem sanften Scepter wird es bald imhöchsten Wohlstände blühen; aber ich — ich welke dahin!" —Er hustete bei den letzten Worten heftig und fuhr mit