Der Thierquäler
Im südlichen Deutschland lebte vor fünfzig Jahren einFörster, der unbeachtet, wie ein Baum im Walde, ausge-wachsen war. Man hatte seine Erziehung und sittlicheBildung ganz vernachlässiget. Daraus entstand ein roherMann, der eben nichts Böses, aber auch nichts Gutesthat. Sein Herz umgab eine starre Rinde, die jeden Ein-druck von sich abwchrte. Er hatte keinen Freund und be-gehrte keinen. Nachbarn und andere Bekannte erhieltenselten ein freundliches Wort von ihm. Selbst gegen seineGattin war er meistens finster und wortkarg. Doch galter bei seinen Obern als ein guter Waidmann, weil erden Forst in Ordnung hielt und sich kein Vergehen zuSchulden kommen ließ.
Philipp, sein einziger Sohn, wuchs ebenfalls, nachdes Vaters Weise, wild auf, und zeigte schon in seinerfrühesten Jugend viel Anlage, ein Bösewicht zu werden.Kaum dem Gängelbande entlaufen, war er immer ge-schäftig, irgend ein Unheil im Hause zu stiften. Die Qualwehrloser Thicre machte ihm besonders großes Vergnügen.Schon im dritten Jahre seines Alters fand er es sehr er-