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Karl sah die Mutter an; sie winkte ihm beifällig mitden Augen, was freilich der blödsichtige Oheim nicht be-merken konnte. Er ließ sich daher in seinem Vorsatze, desVetters Rückkunft abzuwarten, nicht stören.
Der kleine Renommist beharrte noch eine Weile in sei-ner drohenden Stellung. Da sich aber der alte Herr durch-aus nicht weiter darum bekümmerte, so mußten andereMittel, ihn zu ärgern, ergriffen werden.
Karl ging in die Nebcnstube, schnitt aus einem bun-ten Bilderbogen, wie sie von den Buchbindern verkauftwerden, den stattlichsten Esel heraus, heftete ihn an einenFaden, und knüpfte an dessen anderes Ende eine haken-förmig gebogene Stecknadel. Mit dieser Zurüstung, dieer im Busen verbarg, erschien er wieder im Zimmer, um-schlich einige Mal, wie eine lauernde Katze, des OnkelsStuhl, und ehe sich's der Alte versah, hing ihm der Eselam Rücken.
Indem dieses Kunststückchen gelungen war, trat Richardins Zimmer. Er bemerkte sogleich das angeheftete Schand-bild, weil der Oheim den Rücken der Thür zukehrte. Er-schrocken machte er nach geschehener Begrüßung einenVersuch, es heimlich bei Seite zu bringen. Er gab demOheim, um ihn zu beschäftigen, einen Brief zu lesen, undthat indessen einen leisen-Griff nach dem Esel. Allein derAlte fühlte, daß auf seinem Rücken etwas vorging, griffhastig selbst dahin, bekam unglücklicher Weise sogleich dasEhrenzeichen in die Hand, besah es mit Verwunderungund sagte lächelnd: „Damit hat mich wohl Karlchenbeschenkt?"
Der feige Thäter versteckte sich hinter der Mutter. Rk-Langbein'S sämmtt. Schr. XI. Bd. 20