293 <A->-
X.
Lebensrettung ohne Dank.
Der Saal war mit Blumen geschmückt; hundert Wachs-kerzen brannten auf silbernen Armleuchtern nnd kristallnenKronen. Vettern, Basen und andere Gäste traten feier-lich herein, verbeugten sich vor der bräutlich geschmücktenMathilde, und wünschten Gluck.
Mit niedergeschlagenen Augen dankte sie der geschwätzi-gen Schaar, und konnte sich kaum der Thränen enthalten;denn schrecklich war ihr der Tag der Verlobung. Sie solltesich von einem Geliebten trennen, und sich mit einem ge-haßten und hafsenswerthen Menschen auf ewig verbinden.
Ihr Vater, ein reicher Tuchhändler, hatte drei Jahrezuvor einen armen Jüngling, Namens Hermann, zuseinem Gehülfen angenommen, und hielt ihn, weil er fleißigund ehrlich war, wieseinen Sohn. Hermann und Ma-thilde sahen sich oft, und fühlten bald die zärtlichsteLiebe gegen einander. Aber sie sprachen den Namen die-ses Gefühls nie aus, und HerrBerthold, MathildensVater, beschäftigte sich so eifrig mit seinem Handel, daßer die unwillkürlichen Zeichen ihrer stillen Zuneigung, dieihnen bisweilen entschlüpften, nicht bemerkte.
So waren zwei Jahre vergangen, als ein Krieg aus-