umher und ließ sä'mmtliche Damen, die mit ihr die ge-meinsame Tafel zu Stande bringen sollten, zu sich einla-den. Sie erschienen, wie zur Aufwartung bei Hofe, insteifen Prunkkleidern, und mit allem Schmuck, den sie imVermögen hatten, beladen. Bei dem Kaffee wurden, wiegewöhnlich, die Unarten der Dienstboten gerügt und dieneuen Kleider gemustert, die sich am letzten Sonntag ge-zeigt hatten. Nachher aber trug die gesprächige Wirthin,bei einem Glase Wein und einer Mandeltorte, den Ge-genstand vor, worüber man sich berathen wollte. Kaumhörten die Damen, daß cs im Werke ftp, sie aus derKüche zu erlösen, so erhoben sic ein Jubclgcschrei, stießenmit den Gläsern zusammen und riefen: „Herr Aristo-demus, der Freund der Frauen, soll leben!"
„Sachte, sachte!" sprach die Bürgermeisterin. „Wirwollen unserer Freude noch nicht ganz den Zügel schießenlassen. Es liegen ihr noch viele Steine des Anstoßes imWege, worüber sie stolpern und stürzen kann. Mein HerrGemahl hat zum Beispiel die Gewohnheit, sich sogleich,wenn er den letzten Bissen in den Mund geschoben hat,in seinen großen Lehnstuhl zu werfen, sein Mittagsschläf-chen zu halten, und dabei so laut durch die Nase zu or-geln, wie mir bei Hofe nie vorgekommcn ist."
„Was thut das?" sagten die Andern. „Der Lehnstuhlwird im Speisezimmer aufgestellt, und der Herr Bürger-meister schlafen und orgeln darin nach Belieben."
„So bequem kann's mein Mann nicht haben;" sprachdie Posthaltcrin. „Die verdammte Bricfpost geht wöchent-lich drei Mal in der Mittagsstunde ab. Da wird erdenn das Felleisen im Speisezimmer packen müssen."
„Desto besser," riefen Einige vergnügt. „Es ist ange-nehm , fremde Briefe zu sehen, und allenfalls, wenn sie