Eine halbe Stunde nachher ließ Werner um Gehörbitten. Es ward ihm zngcstandcn.
Er dankte mit den herzlichsten Worten für die Wohl-that, die seiner Familie wiedcrfahren war, zog dann einenschweren Beutel ans der Tasche und sagte: „Hier über-gebe ich Ihnen, als Bürgschaft für Frau und Sohn, zwei-hundert Louisd'or, die mir von dem Verkauf meiner Be-sitzungen übrig blieben. Sie waren in meiner magischenLaterne so geheim verwahrt, daß sie nicht gefunden wer-den konnten, wenn man nicht den ganzen Kasten zerschla-gen hätte. Aber in Ihren Händen, Herr Amtmann, istmein kleiner Schatz noch besser aufgehoben. Nehmen Sieihn gefällig in Verwahrung, bis ich gerechtfertigt vonhier scheide."
Der Amtmann genehmigte diesen Antrag, weil cs ohne-dicß gesetzlich war, einem Gefangenen nicht den freienGebrauch einer so bedeutenden Summe zu überlassen. Ererklärte nachher dem Fremden, daß cs auch ihm, zur Er-haltung seiner Gesundheit, gestattet sepn solle, sich täglicheinige Stunden in der freie» Luft zu bewegen. Wer-ner lehnte dieses Anerbieten dankbar ab. „Wollen Siemir aber," setzte er hinzu, „ein belehrendes und unterhal-tendes Buch aus Ihrer Bibliothek zukommcn lassen, soWerden Sie mich Ihnen ungemein damit verbinden."
„Von einer Bibliothek ist bei mir nicht die Rede;" sagteder Amtmann. „Ich besitze bloß die nöthigen Bücher mei-nes Fachs, überdicß noch Gcllcrts und RabencrsSchriften und einige Sammlungen guter Kanzelreden."
Eine solche Sammlung erbat sich Werner. Der Amt-mann versprach, sie ihm zu senden, und entließ ihnfreundlich.