auf ihre Kosten dürfe aufgraben lassen. Es ward ihr,nach angestelltcr Besichtigung, ein Umkreis von hundertSchritten bewilliget. Sie stellte sogleich zwanzig Arbeiteran, nnd berief sogar Bergleute von entfernten Orten;aber keines Menschen Spur ward in den dunkelsten Tiefengefunden. Die Obrigkeit überließ ihren dringenden Bitteneinen neue», noch großer,, Raum; doch war dessen Aus-höhlung eben so fruchtlos. Der eintrctende Winter setzteder vergeblichen Arbeit ein Ziel, und Sibylle hatte dengrößten Theil ihres geringen Vermögens dabei aufgeopfert.
Ganz an den Bettelstab gekommen, saß sie fünf Jahre,später in ihrer Hütte, und bemühte sich eben, ein steinhar-tes Stück Brod mit dem verhängnißvollcn stumpfen Mes-ser zu zcrtheilcn, als sie plötzlich ein erderschütterndes Ge-raffel vernahm, und ein goldener Wagen, mit acht hohenRappen bespannt, vor ihrer Thüre still hielt. Ein junger,weiblicher Engel ward von vier prächtig gekleideten Dienernherausgchobcn, und ging stracks, wie hier zu Hause, inSibyllens armseliges Stübchen.
Die arme, von Mangel nnd Gram gebeugte Frau zit-terte bei der strahlenden Erscheinung; aber mit sanfter,freundlicher Stimme sagte die Fremde: „Guten Tag, liebeMutter! Kennt Ihr mich noch? Ich bin Eure TochterTherese."
Die Alte erschrack und schwankte, als wollte das Gefühlihrer Unthaten sie zu Boden drücken: aber Therese faßtesie liebreich bei der Hand nnd bat, die trübe Vergangen-heit ganz zn vergessen. „Ich bin glücklich ," setzte sie hinzu,„und Ihr, liebe Mutter, sollt's auch werden. Meine Wohl-thäterin ist eine mächtige Fee. Sie vermählte mich vor