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wo er seinen Nathgebcr verloren hatte. Er meldete nunin den lahmsten und mattesten Ausdrücken: sein Vormundhabe ihn in ein scharfes Verhör wegen des Fräuleins ge-zogen; er ftp aber, genommener Abrede nach, standhaftim Läugncn gewesen. So hoffe er, sich bis an's Endeder Vormundschaft durchzuwinden und werde treu sepn bisin den Tod.
Sic antwortate beiden Herren, und empfing hierauf baldwieder Briefe, die jedoch keine neuen Begebenheiten ent-hielten. Aber nun stockte plötzlich die Corrcspondenz. Eskam keine Zeile mehr aus Tannenbühl, ungeachtet sie mehr-mals dahin schrieb. Das war ihr unerklärbar.
Die Sache hatte folgenden Grund.
Falkner spürte dem Thun und Lasten seines Mündelsunablässig nach, und erfuhr so dessen Briefwechsel von demPostmeister in Tannenbühl, welcher ein arglistiger, neu-gieriger und habsüchtiger Mensch war und alle Briefe, diedurch seine Hände gingen, so lange drehte, zerrte und ge-gen das Licht hielt, bis er ein paar Wörtchen daraus er-späht hatte. Mit diesen gestohlenen Geheimnissen wucherteer auf mancherlei Art. Falkner kannte seinen Gcldhunger,und machte ihm dcßhalb ohne Bedenken bei einer FlascheWein den Antrag, die Briefe, welche nach Kranichfeld ab-gehe» sollten und von dort ankämen, zu unterschlagen unds ihm solche, gegen baaren Empfang eines Dukatens fürH je^es Stück, auszulicfcrn. Der pflichtvergessene Schelm^ war über diesen Handel sehr vergnügt und erntete so einfeines Sümmchen: denn Fritz und Veilchen schrieben fastalle Posttage.
Nun war Falkner zwar zu schlau, seinem Mündel darrüber Vorhaltung zu thun; aber er nahm seine Maßregelndarnach und brauchte List und Gewalt, ihn mit seiner
Langbeins sammll. Schr. XI. Bb. 12