Druckschrift 
7 (1847) Neue Talismane. Vacuna. Der graue König : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

»D 100 <T<-

war ihm ein Näthsel; die gemeinsten Dinge klangen ihmwie Namen böhmischer Dörfer. Mit dieser Unwissenheitprahlte er sogar, und oft hörte man ihn sagen: der Ge-lehrte müsse sich mit solchen Kleinigkeiten nicht abgeben,sondern sie dem rohen, unstudirten Haufen überlassen.Er stichelte damit auf seinen Bruder, und warf ihm, wenner eben gegenwärtig war, einen hämischen Seitenblick zu.

Nach einem kurzen Aufenthalte im väterlichen Hausebezog er die Universität zu L", und schrieb sich in denHörsälen der Rcchtslehrer die Finger lahm. Den trocken-sten Kathcdcrspaß womit damals verschiedene Professo-ren die Studenten in ihre Collegia zu kirren suchtentrug er in seine Hefte; denn cs mangelte ihm an Bcur-theilungskraft, die Spreu von den Körnern zu sondern.Er stapelte ungeheure Vorräthc von juristischer Weisheitund Thorhcit auf, lebte übrigens nach der Manier derEngländer, die zwar fremde Länder bereisen, dort abermit niemand, als mit ihren Landsleuten umgehen un-ter seinen alten Schulfreunden fort, und fand ihre hun-dert Mal aufgewärmtcn witzigen Einfälle so behaglich,daß er keinen bessern Gesellschastsgcnuß verlangte. Soblieb er nach wie vor ein düstrer, pedantischer Stubenge-lehrter, und gleichsam ein Fremdling auf Erden; denn erwußte von den bekanntesten Sachen, worüber ihn jedesKind hätte belehren können, noch immer kein Wort. SeineReisen auf die benachbarten Bierdörfcr gaben wenig nütz-liche Ausbeute von Erfahrung und Menschcnkenntniß, undihm war auch alles, was unter dem Monde geschah, sogleichgültig, daß er nicht einmal Zeitungen las.

Indem er auf solche Weise sein Leben bei offenen Augenverträumte, sah sich sein Bruder ganz anders in der Weltum. Vater Grünberg war durch den Segen einiger frucht-