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so ganz verschiedenen Erziehnngs- und Lebensarten beider-Bruder nothwcndig entspringet mußten, fielen Jedem indie Augen, der sie dann, als sie nach einer sechsjährigenTrennung im väterlichen Hause wieder zusammentrafen,mit einander verglich. Heinrich war ein blühender, gelen-ker Jüngling, der sich in Gesellschaften fein und anständigbenahm, über alles, was nicht ganz außer seinem Gesichts-kreise lag, mit Sachkenntniß sprach, und Königen undKaiser ohne Schüchternheit Rede gestanden hätte. Karlhingegen kam aus seinen engen und unsaubern Klosterzellenals ein bleicher Siechling zurück, und war scheu wie einPferd, das in einem finstern Stalle lange gestanden hatund nun plötzlich das Tageslicht sieht. Er kroch, wennihn ein Fremder, besonders ein Mann von Stande, an-redete, rückwärts wie ein Krebs, und floh gesellige Kreise,weil er sich darin nicht zu betragen wußte, und jeden Au-genblick eine Unschicklichkeit beging, die ihn dem Spott aus-sctzte und seine Wange mit Schamröthe übergoß.
Bei dem allen strotzte der junge Herr von Eigendünkelund Schulstolz, weil er weit und breit der einzige Tau-sendkünstler war, der die brodlose Fertigkeit besaß, latei-nische und griechische Verse zusammcnzuleimen. Mehrthat er dabei nicht; denn cs waren fremde, dem Horazund Homer ausgeraustc Federn, mit denen er sich, wiedie in der Fabclwelt unsterbliche Krähe, schmückte. Aufdieses ärmliche Flickwerk pochte er aber so gewaltig, daßer alle Menschen, die für seine todte Gelehrsamkeit keinenSinn hatten — und deren Name war Legion — mit Ver-achtung ansah. Ucbrigcns kümmerte sich der junge Schul-fuchs darüber nicht, daß er so wenig, als Bürgers Abt,verstand, mit lateinischen und griechischen Brocken einenHund vom Ofen zu locken. Der alltäglichste Weltlauf