einen tiefen Griff in ihr Geldkästchen, und warf unter meh-ren, andern Münzen auch mich in ihren Strickbeutel.
Die Damen setzten sich zu Wagen, fuhren in eine ferneGegend der Stadt und hielten vor der Wohnung eineralten Matrone, die sie sehr höflich und dienstfertig empfing,ungeachtet beide Schwestern wenig Umstände mit ihr mach-ten. Lcopoldine erlaubte sich sogar, ihr lachend unter dieAugen zu sagen: ihre Zimmer könnten besser aufgeräumtseyn. Die gute Matrone nahm diesen Verweis gar nichtübel und blieb so freundlich und unterwürfig als zuvor.Emilie sprach wenig und seufzte bisweilen. Der Aufent-halt bei der alten Dame schien sie zu ängsten. Kaumangekommen, wollte sie wieder fort; allein Leopoldineschalt sie ein furchtsames Kind und fesselte sie mit ihrerlustigen Bcredtsamkeit so lange, bis ein junger, wohlge-bildeter Olficicr mit eiligen Schritten in's Zimmer trat.Emiliens Gesicht überflog eine Purpnrglnt; sie schlug dieAugen nieder und blieb ihm auf seine feurige Versicherung,daß diese heiß ersehnte Stunde die glücklichste seines Lebenssey, die Antwort schuldig. Ihre Schwester hingegen nahmsich dieses Kompliments gar nicht an und scherzte ganzunbefangen mit ihm.
Während nun der junge Herr beide Damen bescheidenund anständig unterhielt, lief das Hausmütterchcn, mitErsrischungsanstaltcn beschäftiget, immer ab und zu, undkramte eben etwas lange in einem Nebenzimmer, als dieThür nach dem Vorsaal, ohne Anklopfen, geöffnet ward.Hui! sprangen die Damen vom Sopha auf und stelltensich, mit dem Rücken gegen die Thür, an ein Fenster, umihr Gesicht nicht sehen zu lassen. Der Officier sagte infranzösischer Sprache: „Erschrecken Sie nicht! Es ist nie-mand, als ein Aufwärter aus einer Conditorei, der einige