Druckschrift 
2 (1847) Die unsichtbare Loge : 2ter Theil
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

röche, die durch das ganze Thal schwamm und bis an dieLaub-Gipfel stieg. Nie sah' ich so eine; sie lag, wie herabgetropfet, in dem Gebüsch, aus dem Grase und Laube undmalte Himmel und Erde zu Einem Rosen-Kelch. Einzelne,zuweilen gepaarte Hütten hüllten sich mit Bäumen zu; leben-dige Jalousie-Fenster aus Zweigen preßten sich an die Aus-sichten der Zimmer und bedeckten den Glücklichen, der herausnach diesen Gemälden der Wonne sah, mit Schatten, Düf-ten, Blüten und Früchten. Die Sonne war hiuabgerückt,das Thal legte wie eine vcrwittibte Fürstin einen Schleiervon weißen Düsten an und schwieg mit tausend Kehlen. Alleswar still still kamen wir an still war um BeatensHütte, an deren Fenster ein Blumentopf mit einem einzigenVergißmeinnicht noch vom Begießen tröpfelte still wähl-ten wir unsere gepaarten Hütten und unsre Herzen zergingenuns vor ruhiger Wonne über diesen heiligen Abend unsrerkünftigen Festtage, über diese schöne Erde und ihren schönenHimmel, die beide zuweilen wie eine Mutter sich nicht regen,damit das an sie gesunkene Kind nicht auö seinem Schlum-mer wanke.

O sollten einmal unsre Tage in Lilienbad aus Dornensterben, sollt' ich statt der Freuden-Sektoreö einen Jammer-Sektor schreiben müssen: wcnn'S einmal ist: so sieht esder Leser daran voraus, daß ich daö WortFreude" vomSektor weglaffe und statt der Ucberschrift nur Kreuze mache.ES ist aber unmöglich; ich kann meinen Bogen ruhig be-schließen. Beata haucht noch ein leises Abendlied in ihrmit Saiten überzognes Echo; wenn beide anSgetönet, sowird der Schlaf daö Sinnenlicht der Menschen in Lilienbad