Druckschrift 
2 (1847) Die unsichtbare Loge : 2ter Theil
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

131

Entschließungen der Vernunft, sogar in philosophischen Damen.Mithin blieben der Wciberkenntniß Oefels statt der Fang-eisen für die Unschuld nur die für die Schuld zu legen übrig,und das einzige, wo er noch mit Ruhm arbeiten konnte, wardas, der Verführer von Verführerinnen zu scyn.

Mau erlaube mir, eine scharfsinnige Bemerkung zumachen. Der Unterschied zwischen Lov elace und dem Che-valier ist der moralische Unterschied zwischen den Nazionenund Jahrzehenden von beiden. Der Chevalier ist mit einersolchen philosophischen Kälte ein Teufel, daß er blos unterdie Klopstockschen Teufel gehört, die nie zu bekehren sind.Lovelace hingegen ist ein ganz anderer Mann, blos ein eitlerAlzibiadcs, der durch einen Staats- oder Ehe-Posten halbzu bessern wäre. Sogar dann, wo seine Unerbittlichkeit gegendie bittende, kämpfende, weinende, kniccnde Unschuld ihn mehrden Modellen aus der Hölle zu nähern scheint, mildert erfeine gleißende Schwärze durch einen Kunstgriff, der seinemGewissen einige und dem Genie des Dichters die größteEhre macht und welcher der ist, daß er, um seine Uner-bittlichkeit zu beschönigen, den wirklichen Gegenstand des Mit-leidens, die knieende re. Klarisse, für ein theatralisches, ma-lerisches Kunstwerk anstcht und um nicht gerührt zu werden,nur die Schönheit, nicht die Bitterkeit ihrer Thränen, nurdie malerische, nicht die jammernde Stellung bemerken will.Auf diesem Wege kann man sich gern gegen alles verhärten;daher schöne Geister, Maler und ihre Kenner blos oft darumfür das wirkliche Unglück keine oder zu viele Thränenhaben, weil sie es für artistisches halten.

Ich muß aber schneller zum Festtage der Restdentin eilen,

9 *