stadtkundig, daß sie, weil sie aufgehört hatte, zur schönenNatur zu gehören, sich unter die Werke der schönen Künstewarf und sich aus einem Modell durch Schminke in ein Ge-mälde veredelte, durch Pantomime in eine Aktrice, durchOhnmächten in eine Statue.
Das letzte ist der Kardinalpunkt — sie starb wöchentlichund öfter, wie jede wahre Christin, nicht ihrer Keuschheitwegen, sondern sogar vor ihrer Keuschheit, ich meine einpaar Minuten — sie und ihre Tugend sielen hinter einanderin Ohnmacht. Wenn ich über so etwas nicht wcitläustigbin: so bin ich nicht Werth eine Feder zu schneiden und derHenker soll meine Produkte holen. — Die Tugend also warbei der Ministerin so verdammt schlimm daran wie bei einemKind die junge Lieblingkatze. Ich will von Tagzeiten garnicht reden, sondern nur von Wochentagen: ich will setzen,an jedem Tage hätte ein andrer Antichrist und Erbfeindihrer Tugend statt der Visitenkarte seinen Leib geschickt: sohätt' es etwa so gehen können: am Montag war ihre Tu-gend im stralenloscn Neumond für Herrn v. A. — amDienstag im Vollmond für H. v. B., der sagte: „zwischenihr und einer vsvoke ist kein Unterschied als das Alter" —am Mittwoch im letzten Viertel für H. v. C., der sagt:„je In tvuells llejä," nämlich ihre ums — am Donnerstagim ersten Viertel für H. v. D., der sagt: „i>eut-<?li-s gne" —— und so fort mit den übrigen Feinden der Woche; dennjeder Gegner sah, wie seinen eignen Regenbogen, so an ihrseine eigne Tugend. Ehre und Tugend waren bei ihr keineleeren Wörter, sondern hießen (ganz gegen die KantischeSchule) der Zeit-Zwischenraum zwischen ihrem Neinund ihrem Ja, oft blos der Ort-Zwischenraum. Ich