Druckschrift 
1 (1847) Die unsichtbare Loge : 1ster Theil
Entstehung
Seite
220
Einzelbild herunterladen
 

220

In diesem Jahrzehend schleicht das Mädchen aus ihren durch-lachten Jahren weg und verbirgt das trübere Auge unterderselben hängenden Trauerweide, worunter der stille Jüng-ling seine Brust und ihre Seufzer kühlt, die für etwas-herö steigen als für Mond und Nachtigall. GlücklicherJüngling! in dieser Minute nehmen alle Grazien deine Hand,die dichterischen, die weiblichen und die Natur selber, undlegen ihre Unsichtbarkeit ab und schließen dich in einen Zau-berkrcis von Engeln ein. Ich sagte, selber die Natnr; dennan ihr glühen noch höhere Reize als die malerischen; undder Mensch, für dessen Auge sic ein mcilenlanges Knicstnckvoll Zaubereien war, kann ihr ein Herz mitbringcn, das ausihr ein Pygmalions-Gebilde macht, welches tausend Seelenhat und mit allen eine umschlingt. ... O sie kehrt nie-mals, niemals wieder, die zweite Dekade des armen Lebens,die mehr hat als drei hohe Festtage: ist sie vorüber, so hateine kalte Hand unsre Brust und unser Auge berührt; wasnoch in diese dringt, was noch aus ihnen dringt, hat denersten Morgenzauber verloren und das Auge des alten Men-schen öffnet sich dann blos gegen eine höhere Welt, wo ervielleicht wieder Jüngling wird!

Drei Tage, eh' der Professor kam, war Gespensterlärmim Schloß; zwei Tage vorher währte er noch fort; einenTag zuvor machte der Rittmeister Anstalten zur Entdeckungder Schelmerei. Er hatte eine Wasserscheu vor Gespenster-geschichten und gab scdem Bedienten, der eine wie Bokaz er-zählte, als ein Honorar seiner Novelle nach der BogenzahlPrügel. Die Rittmeisterin ärgerte ihn durch ihren Leicht-glaubcn und sie bekam oft den Blick von ihm, den Männerwerfen, wenn die Hoffnungen oder Befürchtungen ihrer Wci-