Druckschrift 
5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

251

Ich will gehen sagte Julius stockend, aber mitZuk-kungcn im Gesicht wenn auch die Sonne nicht hinab ist.Mein Vater soll mich bis zum Untergänge trösten, damitmein Herz nicht so heftig an die Brust anschlägt, wenn ich

am Grabe stehe und das Todtenopfcr bringe."-Laß

mich nichts sagen, Leser, von der Beklemmung, womit ichweiter gehe noch von dieser zu weichen Giulia, die wieeine Morgensonnenuhr vor dem Mittage im Schatten undKühlen war, die wie eine Taube die Flügel dem Regen undWeinen auseinander faltetenoch von ihren Seelen-Schwe-stern, die im zweiten Lebens-Jahrzchcnd das Gerippe desTodes ganz mit Blumen Überhängen, daß sie seine Gliedernicht sehen können, und die ihren weißen Arm blos auf einenMyrtenzweig der Liebe stützen wie auf einen Aderlaßstockund ruhig dem Verbluten seiner zerschnittenen Adern zu-schaucn!

Ich hätte nicht einmal dieses gesagt, wenn nicht Viktorcs gedacht hätte, dessen Herz ein unendlicher Gram und eineunendliche Liebe tödtlich auseinander zogen; denn ach wieweit war nicht seine unersetzliche Klotilde schon auf dem Wege,ihrer Freundin nachzukommen und das ungeliebte Herz in derErde zu verbergen, wie man im Froste Nelken niederlcgt?

Die Sonne stieg tiefer der Mond stieg höherViktor sah Klotildcn wie eine Heilige, wie einen ätherischverkörperten Engel in einer gegen Abend geöffneten Nischeruhen das kleine gestern genannte Mädchen spielte aufihrem Schovß mit einer neuen Puppe ihm war, als seh'er sic gen Himmel schweben und als sie ihre großen An-gcnlicder aus den Thräuen für die geschiedne Freundin, de-ren Gcheimniß sie längst errathen und verborgen hatte, ge-